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18. Kapitel: Flirt-Strategien

Drei Wochen lang war schon nichts mehr geschehen. Die Bauern hatten einander gegenseitig Feder- und Katzenvieh platt gefahren und Gülle ins Grundwasser geleitet. Solche Vorkommnisse waren jedoch nichts, was einen nachrichtengeilen Medienkonzert interessiert hätte.

Marie hatte Jo und Anna zum Essen eingeladen, was witzig war. Marie kochte um einiges besser als Rosalie. Jo dachte trotzdem nicht daran, Rosalie auszutauschen. Jo hatte offenbar einen Narren an Rosalie gefressen. Daran änderte auch die Tatsache, dass diese immer offensichtlicher ihre Gefühle für Anna zeigte, nicht viel.

Es war ja nicht so, dass Anna einer schönen Frau grundsätzlich abgeneigt gewesen wäre. Während ihrer Berlin-Zeit hatte sie in der Richtung nie was anbrennen lassen.

Rosalie war einfach nicht ihr Typ. Sie hatte eine seltsame Vorliebe für scharfen Emmentaler und benutzte billige Altweiber-Deodorants. Auf Anna wirkte sie einfach nur ordinär und schmierig. Wenn sie zu dritt am Tisch sassen, konnte Anna den Fuss der Köchin zwischen ihren Beinen entlang streichen fühlen. Dann machte Jo freundliche Bemerkungen über die aparten Blätterteigherzen auf Annas Salattellern.

Dann wurde Jo für eine Woche zu seinem Bischof abgerufen. Anna dachte böse, dass er nun eine Rüge für sein aus der Bahn geratenes Privatleben kassieren würde.

Das Chaos brach schneller aus, als Anna denken konnte. Jo hatte Rosalie gebeten, sich um Anna zu kümmern. Sie sollte im Haus schlafen, damit Anna nicht gänzlich verloren wäre. Natürlich nahm Rosalie diesen Auftrag jubilierend an.
Nach zwei Tagen immerwährend unschuldig-beabsichtigter Berührungen hatte Anna die Schnauze gestrichen voll. Sie jagte die verliebte Köchin aus dem Haus und schloss alle Türen und Fenster, die sie finden konnte, zu.

Bob erfuhr rasch, dass Jo weg war und die Köchin ihr Engagement in der Pfarre verloren hatte. Er machte sich auf, um nach dem rechten zu sehen. Bob schlug ein Kellerfenster ein, weil Anna auf sein Klingeln nicht reagierte. Er hatte ein überaus ungutes Gefühl. Er fand Anna am Fusse der Wendeltreppe. Sie war im Taumel der Wut die Treppe heruntergestürzt.

Der Arzt verordnete ihr strikte Bettruhe und behandelte ihre gebrochenen Finger und ihre Prellungen am ganzen Körper. Für den Rest der Woche wohnte Anna bei Bob und Marie. Anna äusserte sich nicht über das Geschehene. Sie lag da und gab sich die grösste Mühe sich nicht zu bewegen.

Bob setzte sich schliesslich zu ihr hin und wollte mit ihr reden. Rosalies Version der Geschichte kannte mittlerweile jeder im Dorf. Anna hörte sich diese an und seufzte.
Rosalie hatte natürlich die ganze ungeschminkte Wahrheit über die bisexuelle, pervers veranlagte Schwester des ehrenwerten Herrn Pfarrer verbreitet.

Bob war geduldig. Zudem hatte er offensichtlich genügend Phantasie, um sich auszumalen, was wirklich geschehen war.
Dies sagte ihr auch auf den Kopf zu, worauf Anna nur müde nickte. Nebenbei bemerkte sie, er solle seine Sauereien gefälligst in seinem Kopf behalten, wo sie auch hingehörten.
Scheinbar hatten die Vorkommnisse sein besonderes Interesse geweckt. Er nahm ihre unverletzte Hand und versprach ihr, dass sie in jeder beliebigen Situation auf ihn zählen konnte, egal, was noch passieren würde. Das waren wirklich schöne Worte. Für Anna bedeuteten sie jedoch nicht mehr als die Summe der dazu verwendeten Buchstaben, was sie Bob auch schonungslos an den Kopf warf.

Bob liess sie wieder alleine. Das war auch gut so. Ruhe war das Elixier, das sie mit dem Leben verband.

Jo kam früher zurück. Jemand hatte ihm wohl die Sache mit Rosalie gesteckt. Bob stellte ihn, verantwortungsbewusst wie immer, zur Rede. Jo nahm das sehr gelassen.

Rosalie war ihren Job nun auch von Jos Seite her los. Sie hatte vergessen, seinen Gummibaum zu giessen. Bei solchen Dingen verstand Jo keinen Spass. All dies raubte Anna nicht den Schlaf. Von da an bestellte Jo sein Essen im Gasthof des Dorfes.

Hier geht’s weiter!

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One response to “18. Kapitel: Flirt-Strategien

  1. Samya

    “Ruhe war das Elixier, das sie mit dem Leben verband.” Sehr schön :). Das stimmt nicht nur für diese Geschichte.

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