11. Kapitel: Jo ist sauer

Jo regte sich natürlich grauenhaft über ihr Verhalten gegenüber Bob auf. Er nannte sie, nachdem alle gegangen waren, eine eingebildete Zicke. Da hatte er nicht einmal unrecht. Sie gab sich schliesslich alle Mühe.

Zudem war sie erleichtert, Zeugin von Jos ach so menschlicher Reaktion zu sein. Am meisten hatte Jo getroffen, wie er betonte, dass sie den “netten Herrn Gemeindekanzlisten” wie einen besoffenen Clochard behandelt hatte.Jo verstand wieder einmal gar nichts.

Es war ihm wohl unmöglich, trotz seiner christlichen Wärme, sich in sie hineinzuversetzen. Er konnte nicht verstehen, dass sie das ganze aufgesetzte Gewäsch nur anekeln konnte. Sie ertrug es nicht, von den guten Werken der Liebe und des Glaubens umgeben zu werden. Aber Jo konnte für sein Tun nichts. Er war ein Mann, auch wenn er alle Mühe aufwendete, dem Gegenteil zu entsprechen.

Anna war damals aus der Kirche ausgetreten, weil sie es ablehnte, irgendwann auf irgendeinem Friedhof, begleitet von heiligen Worten, in die Erde versenkt zu werden. Ihr tiefster Wunsch war es, die eigene Asche auf den Mond geschossen zu bekommen. Dazu brauchte sie keinen Priester. Man würde ohnehin ziemlich nahe beim lieben Gott sein.

In jenem Stadium ihrer Erkrankung nahmen ihre Depressionen zu. Sie sehnte sich in beängstigender Weise nach dem Tod und ihrer Erlösung vom langweilig gewordenen Leben. Sie begann in immer stärkerem Masse den eigenen, kranken Körper verabscheuen.

Hatte sie schon vorher ihre Haare kurz getragen, so nahm ihr Aberwille dagegen nun ungeahnte Formen an. Sie scherte sich einmal in der Woche den Kopf, nur um danach umso fürchterlicher auszusehen.

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