2. Kapitel: Schock

Anna öffnete die Augen. Alles um sie herum schien ihr von Blut umgeben. Ihr Blick wurde durch samtenes Rot getrübt. Sie blinzelte, doch es half nichts. Dann versuchte sie, sich ein wenig zu bewegen. Ihre Glieder fühlten sich wie Gummi an. Sie fragte sich, ob es regnete oder die Sonne schien. Den Trubel rund herum bemerkte sie nicht. Sie suchte mit den Augen die Decke nach dem Himmel ab. Als einer der Rettungssanitäter sich über sie beugte uund sie ansprach, grinste sie ihn harmlos an.

– „Ich nehme keine Anhalter mit, junger Mann“, hauchte sie.
Der Angesprochene fackelte nicht lange herum und rief sofort seinen Kollegen.
– „Die Frau hat einen deftigen Schock. Lass uns keine Sekunde verschwenden.“

Anna hörte ihn nicht mehr. Sie sank tief herab in eine unglaubliche Ohnmacht. Vor ihr tanzten rothaarige Kerle mit aufgeklebten Penissen herum. Sie winkten ihr fröhlich zu und streckten ihr die Zunge heraus. Ohne zu zögern zeigte sie ihnen den fein säuberlich blau-gelb manikürierten Stinkefingernagel. Dann beugte sich eine besonders breitbusige Krankenschwester über sie und Anna versuchte, einen ihrer dunkelrosa durch die Tracht durchscheinenden Nippel zu berühren. Doch diese zerplatzten plötzlich wie Seifenblasen.

Ein sehr alter Arzt, der ihr wie eine Mischung aus Buddha und gealtertem Jesus schien, küsste ihr die Hand und machte ihr Komplimente über ihre vollen Lippen. Anna freute sich wie ein Kind, bis der alte Herr begann, seine Hose aufzuknüpfen. Sie erstarrte, denn aus seinem geöffneten Beinkleid kam ihr nicht etwa das Erwartete entgegen. Ein rot-goldener Chinesischer Drachen aus Papier schwebte auf ihren Mund zu. Sie versuchte ihn zu fangen und biss zu.
Das war gerade der Moment gewesen, als Dr. Eugen Keller versucht hatte, ihre Zähne abzutasten. Er war nämlich Kieferorthopäde.

Schreiend und stöhnend hielt er sich seine Hand, welche von Annas kräftigem Biss stark blutete. Schwester Brunhilde, eine blonde, deutsche Walküre, erschrak darob so sehr, dass sie der brabbelnden Anna die Faust aufs Auge schlug. Anna erwachte augenblicklich aus ihrem Halbschlaf und begann gellend zu schreien. Sie schwang sich von der fahrbaren Trage und stürzte sich fluchend auf Brunhilde.

Dr. Eugen hatte währenddessen zwei Pfleger gerufen, welche die wütende Anna in einen Rollstuhl drückten. Sie verpassten ihr eine erneute Beruhigungsspritze und schoben sie davon. Dr. Eugen nahm Brunhilde zur Seite. Er war wütend.

– „Das wäre doch wohl zu vermeiden gewesen. Finden Sie nicht auch, Schwester?“
Sie nickte.
– „Kommen Sie mit in mein Büro. Haben Sie alles, was Sie brauchen, Schwester?“

Brunhilde nickte grimmig. Sie nahm ihre braune Tasche aus ihrem Garderobenschrank. Eugen wartete auf sie, während sie umständlich wieder zuschloss. Der Arzt zitterte ein wenig, denn er konnte die Ankunft in seinem im West-Sektor des Hauses liegenden Büro kaum erwarten.

Schwester Brunhilde Schröder schloss die Türe hinter dem Arzt, welcher sich sinnierend-nervös ans Fenster begab. Als er sich umdrehte, war Schröder so weit. Breitbeinig, die mächtigen Brüste von ihrer zu engen Schwesterntracht niedergedrückt und so gebändigt, stand sie vor ihm und begann, mit Stock und Peitsche auf ihn einzuschlagen. Eugen war glücklich.

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