20. Kapitel: Koerper und Geist

Urplötzlich wurde sie von einer Stimme zurückgeholt. Die Stimme hatte sich über sie gebeugt und war ihr nicht unbekannt.
Bob berührte ihr Gesicht.
Er zog sie an der Hand hoch.
– Du spinnst wirklich, sagte er.
Das war alles.
Er zog sie hinter sich her, als wäre sie ein Kleinkind. Sie standen in seinem Hausflur, den sie am Geruch erkannte.
Die Kälte kehrte wieder zurück in ihren Körper.

Sie fragte ihn nach seinem Badezimmer und ob sie wohl ein Bad nehmen könnte. Sie durfte. Bob liess das Wasser ein und brachte ihr seinen Bademantel. Er war sehr weich. Sie konnte den Dampf an ihren Beinen spüren, als sie in die Wanne stieg. Es war heiss, aber erträglich. Sie setzte sich ins Wasser und rief nach Bob.
Sie bat ihn, sich neben sie zu setzen. Er bot ihr ein Glas Whiskey an. Sie trank es in hastigen Zügen.Dann begann sie, ihm von ihrem Berlin zu erzählen. Sie bat ihn, dass er bei ihr in der Wanne Platz nahm. Bob zog sich langsam aus und begab sich zwischen ihre Beine. Er legte seinen Kopf zwischen ihre Brüste. Sie berührte seine Brust und hielt ihn fest. Anna spürte seine Haut auf ihrer.

Sie legten sich in Bobs Bett und schliefen, einander zugewandt, ein.
Sie berührte seinen Mund, der seltsam geschwungen war. Sie fragte sich, wann und ob sie zuletzt in ihrem Leben so etwas wie Liebe empfunden hatte. Bob lag neben ihr.

Sie suchte sein Ohr und berührte es mit dem Mund. Sie spürte sein Erschauern. Er grinste.
– Wie sehen deine Haare aus, Bob?
– Sie sind rot.
Anna stellte sich seine Haare vor. Rot. In ihrer Phantasie war es leuchtend und schön. Seine Haare waren glatt. Sie rochen gut.

– Darf ich dich um einen Gefallen bitten, Bob? Würdest du mich bitte rasieren? Es ist so, dass ich das früher immer getan habe. Jetzt schaff ich das nicht mehr.
Bob ging fort und kam kurze Zeit später zurück.
– Der gehört Marie. Ich hoffe, das ist ok.
Anna nickte. Sie stand auf, während er vor ihr kniete und ihre Schamhaare rasierte. Er scherte ihr langsam alle Haare ab. Sie fühlte sich wie ein neuer Mensch. Sie bückte sich und streichelte seinen Kopf. Er stand langsam auf und küsste sie.Seine Lippen waren weich und warm und schmeckten nach Salz und dem Badeöl. Er berührte ihre Schultern, ihren Hintern und sie pressten sich an einander, küssend.

Seinen Körper betastete sie wie eine Verhungernde. Sie konnte nicht genug bekommen von der Berührung seiner Haut, seinen Haaren, den Unebenheiten, den Gerüchen. Bob
Bob war wirklich seltsam. Er strich über ihre Narben.
Ob sie denn jemals dran gedacht hätte, diese entfernen zu lassen.
Davon wollte sie nichts wissen. Sie schüttelte energisch den Kopf.
„Du kannst nicht alles zum Verschwinden bringen, nur weil es nicht alltäglich erscheint. Ich kann und darf einfach verleugnen oder ausmerzen, was einmal geschehen ist.

Anna hatte immer geglaubt, dass sie nach einem Jahr sexueller Abstinenz zur reissenden Bestie ohne Zurückhaltung würde. Sie wäre begierig nach jeder Berührung, süchtig nach allem, was sich ihr nicht zu verwehren wusste.Nun wusste sie es besser. Das Gegenteil war der Fall. Bob hätte sie gerade so gut für eine alte Nonne halten können. Sie hätte jedem Vergleich stand gehalten.

Anna lag in seinen Armen. Ihre Haarstoppeln berührten seine Brust. Er spielte mit ihren Brustwarzen, küsste ihren flaumigen Nacken.
Er habe sich gefragt, wie es denn sei, wenn man blind sei.
Sie grinste. Scheisse.
Ob die anderen Sinne wirklich mehr hervortreten würden?
Sie wollte einen Versuch wagen.
– Ich kann dich nahe hören.
Sie küsste seine Ohren.
Sie berührte seinen Mund.
– Ich spüre dich.
Sie küsste seinen Mund.
– Ich schmecke dich.
Dann berührte sie mit der Nase seinen Hals.
– Du riechst gut. Du hast ziemlich geschwitzt, was süsslich duftet. Aber es ist gut.
Schliesslich berührte sie seinen Körper. Er zuckte unwillkürlich zusammen.
Sie brauchte nicht zu sehen. Sie wusste, was geschehen würde und liess es zu.


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