9. Kapitel: Stasi-Methoden

Der Lebensstandard im Dorf war spürbar im Begriff zu sinken. Selbst Anna bemerkte dies.

Man fühlte sich nicht mehr ganz so behütet wie vor dem perversen Knabenmord. Man vertraute sich nicht mehr. Jeder verwandelte sich in den Augen des anderen in den blutrünstigen Mörder. Erschwerend kam die Tatsache hinzu, dass jetzt überall uniformierte, tüchtig dreinblickende Polizisten mit gepflegten Oberlippenbärten umherschwirrten, um ihren Dienst zu tun. Der Normalbürger musste sich wie in einem Wespennest vorkommen.

Plötzlich waren alle eingeschränkt. Alles und jeder wurde genau beobachtet, abgeschätzt und aufgeschrieben. Die Stasi hätte an der Dörfler eifrigem Treiben ihre helle Freude gehabt. Davon wiederum war Anna nicht sonderlich betroffen. Sie ging nur noch selten nach draussen und interessierte sich einen Dreck für die Aussenwelt. Dort lief man in Gefahr, eher von einem Fernsehübertragungswagen über den Haufen gekarrt zu werden, als von einem Meuchelmörder den Bauch aufgeschlitzt zu bekommen.

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