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22. Kapitel: Wahrheiten und Beichten

Sie brauchte ziemlich lange, bis sie wieder ins Pfarrhaus zurückgefunden hatte. Sie war nicht einmal mehr besonders überrascht, dass sie ihren Weg allein gefunden hatte. An diesem Tag, das meldete ihr Bauch, würde sie noch zu ganz anderen Dingen fähig sein müssen.

Jo war in der Küche.
-Woher kommst du?

Sie antwortete nicht und ging wortlos an ihm vorbei, die Treppe hinauf. Irgendwann konnte sie sein Schluchzen hören.
Schliesslich klopfte es an ihre Türe. Jo trat ein und nahm sie bei der Hand. Sie setzten sich auf das alte, knorrige Sofa.

Jo hielt sie noch immer fest, wie ein Kind, das das herannahende Gewitter ahnt und fürchtet.
Schliesslich begann er, ihr alles der Reihe nach zu erzählen:

„Alles hat damit angefangen, dass ich diesen jungen Mann gesehen hatte. Nico war sechzehn, hatte leuchtend pechschwarzes Haar und war der hübscheste Junge, den ich je gesehen hatte. Natürlich war ich von ihm angezogen gewesen.Aber ich hatte es mir selbst auferlegt, nie etwas mit einem Minderjährigen anzufangen. Nico war auffällig oft zu mir in die Beichte gekommen. Schliesslich bin ich an einem stürmischen Abend in die Kirche gekommen, weil ich glaubte, seltsame Geräusche vernommen zu haben. Nico ist einfach so dagesessen und hat mich angesehen. Ich habe ihn zur Rede stellen wollen, doch Nico reagierte nicht auf meine Worte. Nico eröffnte mir, dass er mich, den Herrn Pfarrer über alles in der Welt liebe.

Zuerst wollte ich ihn umstimmen, ihm die Sache ausreden, ihm zu verbieten an mich zu denken. Doch dann ist mein tiefer Wunsch nach Nico stärker als alles andere gewesen.
Niemals zuvor habe ich soviel empfunden, wie als ich mit Nico zusammen war. Der Widerglanz des Schweisses auf dem Körper des Jungen hat mich beflügelt und in alle Höhen des Himmels schweben lassen.“
„Jo.“ flüsterte Anna, „was hast du getan?“

Nach dem Akt seien sie bestimmt noch eine Stunde erschöpft am Boden gelegen und hätten sich zaghaft wie Kinder berührt. Als er wieder im Pfarrhaus gewesen sei, habe er sich so elend wie ein totes Stück Fleisch gefühlt. Er habe nicht einmal mehr in Ruhe schlafen können.

Das habe sie beide aber nicht davon abhalten können, bei jeder sich bietenden Gelegenheit miteinander zu schlafen. Irgendwann habe er vermutet, dass seine alte Haushälterin etwas bemerkt haben musste,
Anna schluckte leer. Die Haushälterin. Natürlich.

Hier geht’s weiter!

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